Abschied
ATZblog | 27. Januar 2012
An der Tür meines Büros zuhause hängt ein Ausspruch von Benjamin Franklin, der nicht nur einer der Väter der US-Verfassung, sondern auch Verleger und Unternehmer war. “Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.”
Ein netter Kalenderspruch, werden Sie vielleicht denken. Ich bin doch eingebunden in die Strukturen eines großen Konzerns und muss dort funktionieren, Ergebnisse liefern, für den Erfolg meiner Konzepte kämpfen. Und außerdem habe ich Familie, mag der eine oder andere einwenden, da kann ich nichts riskieren. Dafür nehme ich in Kauf, dass es mal nicht so läuft oder der Umgangston eine Spur zu rau ist.
Solche Einwände kann ich als Vater von vier Kindern gut nachvollziehen. Viele Jahre habe ich selbst in Konzernen gearbeitet. Deren Strukturen sind auch nicht per se gut oder schlecht, sie sind einfach so, wie sie sind. Wer darin gut leben will, muss sich arrangieren.
Nun ist es mitnichten so, dass man als Chefredakteur keine Freiheit im Sinne von Meinungsfreiheit hätte. Die Pflichten, die die wirtschaftliche Verantwortung für eine große Medienfamilie in einem international tätigen Wissenschaftsverlag bedeuten, haben jedoch stets Priorität. Anders formuliert: Die fachjournalistische Arbeit, der zuliebe ich diesen Beruf einst ergriff, muss hintenan stehen.
Nach etwas mehr als fünf Jahren trete ich daher als Chefredakteur und aller bei Springer erscheinenden automobiltechnischen Medien zurück. Als freiberuflicher Journalist werde ich künftig den rasanten technischen Wandel in unserer Industrie begleiten.
Meinen Nachfolger kennen Sie gut: Wolfgang Siebenpfeiffer, aktiver Herausgeber unserer Zeitschriften, wird kommissarisch die Redaktion leiten, bis die Nachfolge endgültig geregelt ist.
Für Ihr Vertrauen und Ihre Treue bedanke ich mich herzlich.
(Autor: Johannes Winterhagen, Chefredakteur)







Am 2. Februar 2012 um 15:07 Uhr
Sehr geehrter, lieber Herr Winterhagen,
seit Jahren begleitet mich die ATZ bei meiner Innovationsberatung für Unternehmen der Automotive-Branche.
Und Ihre Artikel habe ich besonders gern gelesen.
Für Ihren weiteren journalistischen Weg wünsche ich Ihnen viel Erfolg (an dem ich nicht zweifle). Und ich hoffe doch, dass wir uns auch mal “in der realen Welt” begegnen können.
Freundliche Grüße aus dem Schwarzwald.
Ihr
Christoph Weise
Am 21. Februar 2012 um 19:03 Uhr
Da wird mir was fehlen, denn deine Arbeit war in hohem Maße lesenswert und informativ.
Hoffentlich verliere ich dich wohl nur vorübergehend aus den Augen, nicht aber aus dem Sinn?
Gruß von der Alb