Mehr Gas

ATZblog | 19. Januar 2012

Der Energieverbrauch weltweit wird sich bis zum Jahr 2050 voraussichtlich verdoppeln – getrieben besonders durch den Zuwachs in den Schwellenländern wie China und Indien. Für den Mobilitätssektor bedeutet dies: Mit dem Wachstum von heute sieben auf neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 werden auf den Straßen dieser Welt dreimal so viele Pkw fahren und doppelt so viele Lkw.

Der Verbrennungsmotor wird auch mittelfristig die beherrschende Antriebsform im Straßenverkehr bleiben. Dieser besitzt noch erhebliches technologisches Entwicklungspotenzial, und vielleicht stimuliert gerade der technische Wettbewerb mit dem elektrischen Antriebstrang, egal ob batterie-elektrisch oder als Brennstoffzelle, alle Potentiale des Verbrennungsmotors. Viele Experten halten eine Verbesserung der Effizienz um nochmals 35 % für möglich. Entsprechend arbeitet Shell an einer weiteren Verbesserung konventioneller Otto- und Dieselkraftstoffe. Zugleich erforschen und entwickeln wir mit der Automobilindustrie alternative Antriebsformen und Energiequellen.

Aber: Flüssigkraftstoffe wie Benzin und Diesel bleiben das Rückgrat der Mobilitätsgesellschaft, allerdings mit einem steigenden Anteil von nachhaltigen Biokomponenten. Nachhaltige Biokraftstoffe haben in den kommenden 20 Jahren das größte Potenzial, die verkehrsbedingten Emissionen zu senken.

Dank seiner steigenden Verfügbarkeit erhöhen sich im Mobilitätssektor zudem auch die Anwendungschancen für Erdgas: als komprimiertes Erdgas (CNG, komprimiertes Erdgas mit 200 bar), als Gas to Liquids (GTL) oder Liquified Natural Gas (LNG, verflüssigtes Erdgas, mit einer Temperatur von -161°C). Der technische Fortschritt der Gasförderunternehmen hat dazu beigetragen, dass zuvor unerreichbare Vorkommen nunmehr wirtschaftlich erschlossen werden können. Bei gegenwärtiger Förderrate reichen die weltweiten Erdgasvorräte heute für 250 Jahre.

Als Ingenieur fragt man sich, ob Gas der Kraftstoff für mobile Anwendungen ist – insbesondere wenn man flüssige Kraftstoffe  mit hoher Energiedichte und relativ einfacher, etablierter Logistik zur Verfügung hat. Motorisch bietet Gas in seiner Form als CNG, GTL oder als LNG einige Vorteile. Die Rohemissionswerte sinken, und im Fahrzeugantrieb lassen sich insbesondere im Vergleich zum Ottomotor mit Benzin Emissionsvorteile erzielen. Allerdings stehen dem erhöhte Aufwendungen bei der Betankung und Speicherung an Bord gegenüber. Zudem ist insbesondere LNG als flüssige Energieform relativ einfach in der Logistik zu handhaben und eine interessante Alternative für alle Anwendungen mit hohem Energieverbrauch und kontinuierlicher Nutzung. Derzeit laufen erste Erprobungen mit LNG in der Anwendung in Großmotoren, insbesondere im Marine-, Bahn- und Offroad-Sektor. In Kanada wird Shell ab kommendem Jahr Speditionsunternehmen die Möglichkeit zur Betankung ihrer Flotte mit LNG bieten. In Katar hat Shell gerade die weltweit größte GTL-Anlage in Betrieb genommen, die Kraftstoffe für täglich 160.000 Fahrzeuge sowie Schmierstoffe für jährlich 225 Millionen Fahrzeuge produziert.

Der Aufforderung “Gib Gas!” könnte künftig also eine doppelte Bedeutung zukommen.

(Autor: Dr. Wolfgang Warnecke ist Chief Scientist Mobility bei Shell)

Eine Reaktion zu “Mehr Gas”

  1. hans

    mein letztes Auto verbrannte Pflanzenöl, welches in der Nachbarschaft hergestellt wurde – der Schadstoffauststoß ließ jedes AU-Messgerät defekt erscheinen und stellte noch so aufwändig entgiftete “moderne” Diesel gewaltig in den Schatten. Dezentrale Ölmühlen sahen dank der vom Gestzgeber zugesicherten Steuerfreiheit des Öls einer prosperierenden Zukunft entgegen. Speditionen rüsteten wegen der Summe aller Vorteile ihre Fuhrparks um, usw. … Rosige Zeiten sollten anbrechen!
    Doch dann wurde es der Öllobby zu bunt und sie ließ im Gleichschritt mit den Kollegen der Autoindustrie, die Steuerbefreiung kurzerhand RÜCKWIRKEND aufheben. Heute wird Pflanzenöl als Kraftstoff wie Diesel besteuert, ich fahre Fahrrad und habe kein Auto mehr :)
    Herzlichen Glückwunsch zu den aktuell gültigen Steuervorteilen für alle Gase dieser Welt…

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