Zeit ist Geld
ATZblog | 7. Mai 2010
Oft gehörte Sprüche lauten: Ich habe keine Zeit, oder Zeit ist Geld. Woher kommt unser gebrochenes Verhältnis zur Zeit? Ich denke, die meisten von uns haben ein rein äußeres, vom Nutzen bestimmtes Verhältnis zur Zeit. Durch diesen Missbrauch der Zeit haben wir aber den Sinn verloren für die innere Dimension der Zeit, nämlich Zeit als Angebot des Lebens. Wir wollen einfach zu viel. Am besten alles. Aber alles ist eben nicht alles. Die Erfahrung zeigt doch: Wenn wir uns von einem zum anderen Termin hetzen, möglichst alles haben, mitmachen und überall dabei gewesen sein wollen, bleiben wir leer zurück. So gewinnen wir keine Welt, keine Tiefe, keinen Sinn. Die wirklichen Vorgänge des Lebens brauchen ihre Zeit.
Am Beispiel der Verletzten und Toten auf unseren Straßen können wir ein Signal für den tödlichen Charakter der Hetze erkennen, die unser modernes Leben prägt. Wer sagt, er habe Zeit, demgegenüber mutmaßen wir, dass er nicht gefragt, nicht tüchtig ist. Müsste er sonst nicht verplant, eingespannt, ausgebucht sein? Ein gutes Zeitmanagement wird häufig als Lösung angesehen. Ob es alle Engpässe beseitigt, sei dahingestellt. Wer an der Stufenleiter der gesellschaftlichen Geltung allerdings oben angekommen ist, der hat die wenigste, der hat womöglich gar keine Zeit.
Ich meine, wir können Zeit gewinnen, wenn wir anspruchsloser leben. Wenn wir unterscheiden lernen zwischen Dingen, die wir wirklich brauchen, und solchen, die uns nur belasten und Arbeit machen, also unsere Zeit beanspruchen. Dazu gehört der Mut zum Weglassen. Von unserer Entscheidung für das jeweils Richtige, Wichtige und Nötige hängt es ab, ob wir Zeit haben oder nicht.
(Autor: Wolfgang Siebenpfeiffer, Herausgeber ATZ/MTZ)






