Faktor Fünf

ATZblog | 4. Mai 2010

Zahlt sich moralisches Verhalten im Geschäftsleben aus? Was hat BMW davon, dass es seit Jahren den Dow-Jones-Sustainability-Index anführt? Würden Sie wie Google darauf verzichten, in China Geschäfte zu machen? Wie viel darf eine Sicherheitsausstattung kosten, die nur wenige Menschenleben rettet und deren Kosten Sie nicht an den Fahrzeugkäufer weitergeben können?

Dass sich ungesetzliches Handeln nicht lohnt, haben Konzerne wie Daimler und Siemens zu spüren bekommen. Aber allein gesetzestreu zu bleiben, heißt noch nicht, moralisch zu handeln. Gutes zu tun, kann Geld kosten. Und dann ist Ihr Gewissen als Mensch und Ingenieur gefordert.

Eine Hilfestellung kann Ihnen die Lektüre des Buchs “Faktor Fünf” von Ernst Ulrich von Weizsäcker geben, das ich auf meine Indienreise mitgenommen habe. Es macht bewusst, dass Wachstum in Zyklen verläuft. Weizsäcker zufolge befinden wir uns bereits am Ende des letzten, von der Informations- und Biotechnik induzierten Wachstumszyklus. Da die Ressourcen an Rohstoffen und Energie knapper werden – ebenso wie die Ressource Mensch in vielen hochentwickelten Ländern -, kann nachhaltiges Wachstum künftig nur noch erfolgen, wenn wir die Ressourcen-produktivität radikal erhöhen. Anders ausgedrückt: indem wir mit Menschen und unserer Umwelt anständig umgehen.

Wir können unsere Rolle künftig darin sehen, nicht den eigenen Lebensstandard ins Unermessliche weiter zu steigern, sondern unser technisches Know-how dafür zu verwenden, knappe Ressourcen so einzusetzen, dass der Lebensstandard, beispielsweise hier in Indien, auf deutsches Niveau steigt, ohne dass die Umweltbelastung zunimmt. Vom Verkauf dieses Wissens und resultierender Produkte werden wir, auch in im Westen gesättigten Märkten, gut leben können.

Gut sein lohnt – probieren Sie’s aus!

(Autor: Johannes Winterhagen, Chefredakteur ATZ)

4 Reaktionen zu “Faktor Fünf”

  1. Markus Sebastian

    Es freut mich, solch weise Worte in einem doch sehr wirtschaftsbezogenem Magazin zu lesen. Auch wenn der Antrieb dazu vielleicht wieder “nur” Profitmaximierung ist… Einiges dieser “neuen” Denkweise ist uebrigens gar nicht neu, steht seit vielen Jahren in den beiden meistgelesenen Buechern der Menschheit.
    Gut sein lohnt hauptsaechlich, wenn man Zeit dazu hat.
    Danke Herr Winterhagen, fuer Ihren Mut und Ihre Voraussicht

  2. SR

    Ein schöner Artikel. Kurzform: Gehe mit anderen um, wie du es für dich selbst wünscht. Die Realität sieht etwas anders aus. Zum gut sein gehört eine kräftige Portion Masochismus und die Robustheit eines Kaktus, wenn’s um die Wasserversorgung geht. Stärke und Erfolg, bilden sich aktuell aus anderen Eigenschaften und Umgangsformen. Gut zu sein heißt dumm zu sein. Das wir damit ein wesentliches Kriterium für Zukunftsfähigkeit verbraten ist in unserem auf kurzfristigen Erfolg getrimmten System irrelevant. Verstehen Sie’s nicht falsch: Ich habe noch Idealismus. Er ist die Weitergabe der Glut an meinen kleinen Sohn. Ich merke nur, wie auch er in der Schule seine einschlägigen Erfahrungen macht und hoffe auf seine Zähigkeit. Den Wertewandel werde ich wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber ich bleibe aktiv dran …

  3. Markus Sebastian

    Leider gibt es Menschen, deren “Idealismus” darin besteht, schlau, stark und erfolgreich (?) zu kritisieren, und ‘Dummheit’ von anderen erwarten wenn es ihnen passt. Unvermeidbar ist leider, dass diese Eigenheiten auch an kommende Generationen weitergegeben werden.
    Ich fuerchte genau deswegen sind wir da, wo kurzfristiger Erfolg meist mit Zukunftsfaehigkeit verwechselt wird.
    Der Begriff Moral ist leider fuer viele Kritiker ein unverstandenes Fremdwort, der beim taeglichen Kampf (nicht um’s Ueberleben, sondern um Erfolg, Ansehen, Macht und Luxus) hinderlich zu sein scheint.
    Wirklich Schade.

  4. SR

    … richtig!
    1. Fazit: Nicht mit zweierlei Maß messen, sondern (möglichst) objektiv bleiben, wenn’s um moralische Bewertung und den Umgang mit anderen geht. Interessante Betrachtung, wenn man auf Spekulanten schimpft und Schnäppchen kauft.
    2. Man ist nur so lange von irgendetwas getrieben, solange man sich treiben läßt. Da gab’s ‘mal den Spruch “Stell’ dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin …”. Gut sein ist nirgends verboten, man muß sich nur traun.

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