Begeisterung
ATZblog | 8. März 2010
Wenn auch in den letzten Jahrzehnten die Zeit, die wir am Arbeitsplatz verbringen, kürzer geworden ist: Trotzdem empfinden wir sie häufig als Joch. Unsere Arbeitszeit ist bezahlte Zeit. Sie wird geprägt durch Leistungserwartung und Leistungserfüllung. Wenn das jedoch die einzige Motivation für unsere Arbeit ist, empfinden wir die Arbeitszeit als Last. Die Arbeit selbst wird zum Job, den wir mehr oder weniger lustlos verrichten, mit dem Blick auf außerhalb der Arbeit liegende Ziele.
Soll Arbeit aber auch ein Stück Selbstverwirklichung sein, so muss eine persönliche Begeisterung hinzukommen, die sich direkt auf die Arbeit bezieht. Ich muss eine innere Beziehung zu meinem Tun haben, Freude an der Erfüllung von Aufgaben finden, einen Sinn erkennen in der Übernahme von Ver¬antwortung. Eines habe ich überall selbst in der Hand: ob ich meine Arbeit sachgerecht und aufgeschlossen sowohl für Kollegen und Mitarbeiter als auch für die Nutznießer meiner Arbeit erfülle. Durch mein Verhalten am Arbeitsplatz, meine Einfühlung, durch Toleranz und Flexibilität bestimme ich darüber mit, ob Menschen sich zum eigenen Wohl und zum Gedeihen des Ganzen entfalten können, oder ob sie unter meinem Einfluss am Arbeitsplatz leiden.
Wir können durch Verständnis und Aufmerksamkeit für Kollegen und Mitarbeiter in zäher Geduld das Arbeitsklima verbessern, die Isolation, die Entfremdung und den Egoismus einzelner einschränken oder gar überwinden. Wenn wir unsere Arbeitssituation so mehr und mehr positiv gestalten, werden wir auf der Suche nach Sinnerleben auch in der Freizeit nicht nur von unseren Mitmenschen befriedigende Ergebnisse erwarten. Wir werden uns selbst positiv engagieren. Von diesem Engagement kann jedes Miteinander – hier wie dort – gewinnen.
(Autor: Wolfgang Siebenpfeiffer Herausgeber ATZ / MTZ)







Am 17. März 2010 um 08:21 Uhr
Absolut alles richtig! Jeder von uns braucht auch einen internen Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. Um das zu erreichen und als erstrebenswert wahrzunehmen bedarf es gewisser Grundeinstellungen. Wir haben irgendwann eine entsprechende Erziehung genossen. Es gab Begriffe wie Respekt, Achtung, Toleranz, Mitgefühl, Engagement, Verantwortung. Heute höre ich immer nur “Unter’m Strich zähl’ ich!”. Ich sehe in Kaufhäusern Anprobekabinen, auf deren Boden sich die probierten Sachen ausbreiten. Es wird nicht mehr für nötig gehalten, etwas wenigstens so zu hinterlassen, wie man es vorfand. Kleine Indikatoren für ein großes Problem, wie ich meine. Mit diesen Nachlässigkeiten und Verwahrlosungen gehen genau die Sachen verloren, die Sie beschrieben haben. Schade! Wir bekommen aber lediglich das Umfeld gestellt, welches wir uns selbst gewählt haben. Wir steigen immer höher auf der Leiter des Lebensstandards und unten am Fundament nagt die Fäulnis. Ich versuche bei der Erziehung meines Sohnes dagegen zu halten. Mein Einfluß ist jedoch nur einer unter vielen. Ich wünsche uns eine gute und nicht zwingend schmerzhafte Gelegenheit zum Nachdenken.