Keep it Simple

ATZblog | 26. Februar 2010

Johannes WinterhagenAm 10. Februar fuhr ich einen neuen Kleinwagen zur Probe. Erschrocken bin ich nicht beim Fahren, sondern beim Blick in die Preisliste. Unter 12.000 Euro ist nichts zu machen, die mit 98 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer umweltverträglichste Modellvariante kostet gar 15.000 Euro. Und wer ein bisschen aufrüstet, kann auch 20.000 Euro ausgeben.

Nun gibt es viele gute Gründe, warum Autos so teuer geworden sind, dass sie heute in Euro das gleiche kosten wie vor 15 Jahren in D-Mark. Für stark verbesserte Sicherheit sorgen ESP und mehrere Airbags, der Motor ist schon mit Euro 5 weitgehend abgasentgiftet, und wirklich klein ist ein Kleinwagen ja auch nicht mehr. Aber die Kaufkraft der Konsumenten hat nicht Schritt gehalten.

Ein wesentlicher Kostentreiber wird oft übersehen: Die Individualisierung von Ausstattungs- und Karosserievarianten. Es mag Spaß machen, am Car-Configurator unzählige Varianten durchzuspielen, aber es gibt sie nicht umsonst. In der Entwicklung müssen alle Antriebs- und Karosserievarianten abgesichert und in der Produktion vorgehalten werden.

Autohersteller können diese Mehrkosten auffangen, indem sie große Volumina produzieren. Oder in dem sie im Premiumsegment einen spürbaren Preisabstand realisieren können. Am besten tun sie, wie Volkswagen beweist, beides zugleich.

Was aber tun, wenn die Stückzahl vergleichsweise klein ist und das Markenimage nicht für Haute Couture taugt? Wie wäre es, sich an das “Model T” von Ford zu erinnern, an den Käfer oder den “2 CV”?

Auf dem Wunschzettel heute: Ein Auto, dass Mobilität für vier Erwachsene ermöglicht, sicher (fünf Sterne Euro-NCAP) und umweltfreundlich (100 Gramm CO2 oder weniger), mit herausragender gestalterischer Qualität. Die Farbe kann gewählt werden, der Antrieb ist immer derselbe. Das ganze für 10.000 Euro.
Unmöglich?

(Autor: Johannes Winterhagen, Chefredakteur ATZ|MTZ)

4 Reaktionen zu “Keep it Simple”

  1. Henrik Domanovszky

    Diesen Worten sind richtig. Noch schwerer zu sehen mit die Auge von die Bürgern bei die ostlichen 12 EU mitgliedern Land (Grob 100 millionen Leute, 20 prozent von die EU-27). Dort kann man mit durchschnitt etwa 400 € netto Einkommen rechnen. Zwar nicht wochentlich, sondern monatlich. So kommt ein Fahrzeug die ein einziges Satz von eine Familie, sogar ein produkt von ein lebenslauf.

    Das hilft nicht bei verkauf von die Herstellern!

  2. Oliver Schwabe

    Sie sprechen mir aus der Seele! Meiner Meinung nach muss die Kfz-Industrie genau in diese Richtung gehen. Erschwingliche Mobilität für einen Großteil der (Durchschnitts-)Bevölkerung sicherstellen, anstatt jede noch so kleine Nische mit einem weiteren Modell zu besetzen.

  3. Walter Frieß

    Man kann viel schreiben und noch mehr reden, aber das einzige, was wirklich wirkt, ist die Tat. Mit einem Automodell in Basisausführung kann man autofahren, und man kann Basis-Kaufpreise realisieren. Wenn man davon überzeugt ist, dass die meisten Autos zu teuer sind, dann muss man die billigeren verlangen und kaufen!
    Die Wirklichkeit in Deutschland ist aber, dass fast alle meinen, ohne Metalliclack, Super-Klimaanlage, vielstufige Sitzheizung, elektrische Verstellung von fast allem, schwülstige Aluminiumräder und weit über 200 km/h Höchstgeschwindigkeit könne man sich auf den Straßen nicht mehr sehen lassen.
    Dass den Leuten die aktuellen Autos zu teuer sind, glaube ich erst, wenn sich vernünftige Gebrauchtwagen wieder vernünftig verkaufen lassen und man erheblich mehr “vernünftige” Autos mit vernünftigen Fahrweisen sieht.
    Zumindest in Deutschland geht so ein “Billighuber-Lamento” an der Realität vorbei. Angeboten wird, was verlangt wird, und das ist auch gut so. Die wahren Handlungsfelder liegen ganz woanders.

  4. Wolfgang Bleher

    Ich kann den Gedankengang von Herrn Winterhagen voll und ganz unterstützen. In den 50er und 60er-Jahren sind unsere Eltern und Großeltern mit einem VW Käfer über die Brenner Bundestraße nach Italien in Urlaub gefahren – mit 4 Personen inklusive Gepäck und das mit gerade mal 30 oder 34 PS. Dabei hatten sie durchaus ihren Spaß und die eine oder andere Pause diente dazu, die schöne Landschaft zu genießen.

    Heute fahren wir mit Motorleistung satt, multimedial eingebettet, durch Klimaanlage und maximale Geräuschdämmung von der Umwelt völlig entkoppelt, bequem wie im heimischen Wohnzimmer durch die Lande. Ein ganzes Sammelsurium an Assistensystemen nimmt uns das Fahren als solches schon fast ab, die Aufmerksamkeit wird nur noch zu einem Minimum gefordert und dutzende von Steuergeräten werkeln im Untergrund.

    Dabei lässt sich doch die Seitenscheibe wunderbar auch mit der altbewährten Handkurbel bedienen, der Druck auf den Verriegelungsknopf an der Heckklappe ist kaum anstrengender als der auf der Fernbedienung und das Starten des Motors mit dem Zündschlüssel im Zündschloss ist ebenfalls nur unwesentlich aufwendiger als der Druck auf den Startknopf bei aufwändigen Keyless-Go-Systemen, die man ebenfalls nicht wirklich braucht.

    Im normalen Straßenverkehr reicht in der Regel doch eine Motorleistung von 80 bis 90 PS allemal und die wenigen Minuten, die man durch hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn vielleicht herausholen kann, rechtfertigen Motorleistungen von 150, 200 und noch mehr PS in keiner Weise.

    Warum also nicht mal wieder Autos ohne viel Schnickschnack bauen, mit denen man einfach von A nach B fahren kann, in denen man mit einem ganz profanen Schalthebel direkt im 4- oder 5-Gang-Getriebe rühren kann, die mit einem ganz normalen Zündschlüssel auf- und zugeschlossen und auch gestartet werden, die uns das Fahren auch wieder erleben lassen und in denen Plastik wie Plastik ausschaut und nicht irgendwelche hochwertigen Oberflächen vorgaukelt, die sie ja nicht wirklich sind.

    Ob das Ganze allerdings unserem Anspruchsdenken gerecht wird, ist eine ganz andere Frage.

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