Namaste India

ATZblog | 19. Februar 2010

Johannes WinterhagenMit staubigen Schuhen und zwölf Stunden Verspätung, aber voller Enthusiasmus kehrte ich am 8. Januar 2010 von der weltgrößten Automesse – gemessen an den Besucherzahlen – zurück. Die findet nicht in Detroit, Frankfurt oder Shanghai statt, sondern in der indischen Kapitale Delhi. Für meine Begeisterung gibt es drei Gründe.

Erstens ist der Markt in Indien mit 1,3 Millionen Pkw noch klein, soll sich aber innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Nun sind Prognosen meist zu optimistisch, aber in diesem Fall nicht unrealistisch. Denn wenn das – durch die Krise kaum gebremste – Wirtschaftswachstum anhält und nur ein kleiner Teil der sieben Millionen Zweiradkäufer (pro Jahr!) auf den Pkw umsteigt, dann ist der Zuwachs greifbar.

Zweitens mausert sich das Land innerhalb der internationalen Arbeitsteilung zu einem Kompetenzzentrum für Kleinwagenentwicklung und -produktion. Hersteller und Zulieferer investieren massiv in Ingenieur-sowie Fertigungskapazität. Lokale Hersteller wie Tata Motors und Maruti Suzuki setzen dabei längst nicht mehr nur auf Kleinwagen, die 70 % des indischen Pkw-Markts ausmachen, sondern wollen Vollsortimenter werden und arbeiten daran, künftig auch zu exportieren.

Der dritte Grund sind die Menschen: Gut ausgebildete Ingenieure mit großem Ehrgeiz habe ich getroffen, die aber trotzdem dem Menschen zugewandt sind und der Verbesserung der eigenen materiellen Lage nicht alles andere unterordnen – was man in anderen Schwellenmärkten beobachten und teilweise auch nachvollziehen kann.

Wie groß die Fortschritte sind, die Indien macht, habe ich übrigens nicht nur auf der Messe hautnah erlebt, sondern besonders intensiv als Nutzer der Metro. Was Streckendichte, Pünktlichkeit und Sauberkeit betrifft, hat Delhi die römische U-Bahn mittlerweile überholt.

Also aufgepasst, wer sich noch in Gesten der Überlegenheit übt!

(Autor: Johannes Winterhagen, Chefredakteur ATZ|MTZ)

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