Biokraftstoffe – was bringen sie?
ATZblog | 17. Februar 2010
Die weltweite individuelle Mobilität wird weiterhin ein Grundbedürfnis der Menschheit bleiben. Einen Lösungsansatz zur Sicherstellung einer nachhaltigen Mobilität stellen alternative Antriebskonzepte unter Heranziehung von neuen Energiequellen und -trägern dar. Die Elektromobilität alleine, als derzeit im Fokus von Politik und Medien diskutierte Alternative, wird weit überschätzt. Die sukzessive Einführung von alternativen Kraftstoffen zum Einsatz in konventionellen Motoren hat hingegen den Vorteil der bereits bestehenden Verteil-Infrastruktur. Europäische und nationale Vorgaben erfordern deshalb seit einigen Jahren die zunehmende Verwendung von biogenen Kraftstoffen im Straßenverkehr. Dabei stellt sich die Frage nach dem ökologischen Nutzen. Obwohl aktuell Biokraftstoffe der ersten Generation teils herbe Kritik ernten, muss festgehalten werden, dass die Vorteile dieser Kraftstoffe bei optimierten Herstellpfaden überwiegen. Neben einer günstigen CO2-Bilanz erhöhen Biokraftstoffe zudem die Versorgungssicherheit. Das überzeugende Argument wird aber mit der mittel- bis langfristigen Einführung der zweiten Generation an Biokraftstoffen kommen. Eine effizientere Nutzung der eingesetzten Biomasse und bessere Möglichkeiten in der motorischen Optimierung verlangen eine schnellstmögliche und intensive Forschungs- und Investitionstätigkeit.
Zahlreiche am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kfz-Bau der TU Wien durchgeführte und laufende Projekte zeigen: Die Hauptvorteile von alternativen Kraftstoffen wie beispielsweise BTL (Biomass to Liquid) oder HVO (Hydrated Vegetable Oil) im motorischen Betrieb bestehen in deren Aromatenfreiheit. Die direkten Emissionen (CO, HC, PM und auch CO2) werden teils dramatisch bei gleichem Wirkungsgrad des Motors gesenkt, so dass die Abgasnachbehandlung vereinfacht wird. Diese Alternativen erreichen darüber hinaus bereits bei geringer Zumischung zu fossilem Diesel einen der Zumischrate überproportionalen Emissionsrückgang. Wesentlich für die Beurteilung des ökologischen Nutzens ist jedoch die Betrachtung der gesamten Lebenswege der verschiedenen Kraftstoffalternativen. Die im Rahmen eines spezifischen Forschungsprojekts durchgeführte Berechnung eines auf Österreich abgestimmten Kraftstoffszenarios für den dieselbetriebenen Straßenverkehr hat ergeben, dass bis 2020 die Treibhausgasemissionen eines ganzen Jahres dieselbetriebenen Straßenverkehrs eingespart werden können. Die dafür erforderlichen alternativen Kraftstoffe können zwar derzeit nur mit deutlich höheren Produktionskosten hergestellt werden, neue Erkenntnisse in der Forschung und Entwicklung werden diesen Nachteil jedoch zunehmend egalisieren.
Die Gewährleistung des weltweiten Individualverkehrs erfordert eine breite Basis an regional optimierten alternativen Antriebskonzepten und Energiequellen. Eine einzige Schlüsseltech-nologie, welche den Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit zur Gänze nachkommt, existiert nicht. Diversifikation ist die Lösung für die Zukunft!
(Autor: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Bernhard Geringer, Technische Universität Wien)







Am 18. Februar 2010 um 09:18 Uhr
“Die im Rahmen eines spezifischen Forschungsprojekts durchgeführte Berechnung eines auf Österreich abgestimmten Kraftstoffszenarios für den dieselbetriebenen Straßenverkehr hat ergeben, dass bis 2020 die Treibhausgasemissionen eines ganzen Jahres dieselbetriebenen Straßenverkehrs eingespart werden können.”
Wo kann man das genauer nachlesen bzw. wurde diese Berechnung veröffentlicht? Danke!