Klimaschutz, der sich rechnet!

ATZblog | 27. Mai 2008

Dr.-Ing. Bernd BohrDer Schutz des Klimas genießt in der Bevölkerung eine hohe Priorität – allerdings ist nur eine Minderheit bereit, für klimaschützende Maßnahmen auch mehr Geld auszugeben. Diese von mehreren Umfragen bestätigte Einstellung macht es der Automobilindustrie nicht leichter, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Es ist aber nicht ausreichend, an dieser Argumentation festzuhalten und durch eine fast gebetsmühlenhafte Wiederholung die fehlende Zahlungsbereitschaft der Autokäufer als Fakt zu zementieren. Wahr ist: Techniken zum Schutz des Klimas kosten zunächst Geld. So arbeitet seit Jahren eine große Zahl von Entwicklern bei Automobilherstellern und Zulieferern intensiv an Systemen, die den Verbrauch und die Emissionen der Fahrzeuge reduzieren. Die dabei erreichten Erfolge können wir stolz vorzeigen: Seit Anfang der Neunziger Jahre sind deutsche Neuwagen um gut 25 Prozent sparsamer geworden – bei stark gestiegenen Ansprüchen an Komfort und Sicherheit.

Um die angestrebten EU-Zielwerte zum CO2-Ausstoß zu erreichen, muss die ganze Branche die Entwicklungsaktivitäten weiter verstärken und den Fokus auf die wirksamsten Systeme legen. Tatsächlich zu erreichen sind die Grenzwerte letztlich nur durch ein Bündel von Maßnahmen. Im Bereich Antriebsstrang sind dies beispielsweise ein noch höherer Anteil an Dieselfahrzeugen, breit eingesetzte Benzinmotoren mit Direkteinspritzung und Turboaufladung oder auch die Erweiterung des Verbrennungsmotors mit einem Elektroantrieb und Rückgewinnung der Bremsenergie. Weitere Techniken sind Start/Stopp-Systeme und ein Energiemanagement in Verbindung mit wirkungsgradoptimierten Generatoren sowie die exakte Regelung des Kühlkreislaufs. Bosch ist in all diesen Gebieten aktiv und ein kompetenter Partner für die Automobilhersteller.

Um den Kraftstoffverbrauch wirklich zu senken, müssen diese Systeme aber serienmäßig eingesetzt werden und keine Option bleiben. Ich bin überzeugt, dass sich die entsprechenden Mehrkosten, insbesondere die kleineren Maßnahmenpakete in der Mittelklasse und darunter, durchaus vermitteln lassen. So führt die anfängliche Zusatzinvestition in Folge zu einem niedrigeren Verbrauch und damit zu geringeren Unterhaltskosten.

Dies zeigt folgendes Beispiel: Ausgehend von einem typischen Mittelklasse-Fahrzeug mit Benzinmotor, 2,0 Liter Hubraum und 1,6 Tonnen Gesamtgewicht ist eine CO2-Reduzierung um etwa 40 Gramm pro Kilometer möglich – über die Kombination von Downsizing, hocheffizientem Generator, variabler Ventilsteuerung und Start/Stopp-System. Die Kosten dieses Pakets amortisieren sich bereits in den ersten drei Jahren der Nutzung, das heißt noch für den Erstkäufer. Und mit jedem folgenden Jahr wird weiter gespart. Eine zentrale Aufgabe in der Kommunikation von Herstellern und Zulieferern muss es daher sein, Öffentlichkeit und Autofahrer darauf einzustimmen, dass Klimaschutz zunächst Geld kostet und die Fahrzeuge teurer werden. Gleichzeitig muss man dem Käufer aber den geldwerten Nutzen der Verbrauchseinsparung aufzeigen, ihm dadurch seine Unsicherheit nehmen und zum Kauf eines Neuwagens anregen.

Die Automobilindustrie – als eine der innovativsten Industrien Deutschlands – muss also alles daran setzen, die Kosten bestehender Systeme zu optimieren, neue Techniken schnellstmöglich zur Serienreife zu bringen und ihren Nutzen zu kommunizieren. Gelingen kann dieser Kraftakt nur, wenn alle Unternehmen konstruktiv und partnerschaftlich am Erreichen dieses gemeinsamen Ziels arbeiten.

Autor: Dr.-Ing. Bernd Bohr, Geschäftsführer und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik, Robert Bosch GmbH

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